Alles neu?

Als ich mit diesen Aufzeichnugen begann, stellte ich sie mir zunächst als eine Art „Live Journal“ vor, in dem ich Ausschnitte meines täglichen Lebens festhalten wollte. Dann packte mich vorübergehend der Ehrgeiz, und ich nahm mir vor, kritisch über Bücher, Filme, Musik zu berichten, gewürzt mit der einen oder anderen Betrachtung zur Weltlage. Dieser Versuch kommt mir angesichts der Fülle gedankenvoller Texte, die man auf Papier gedruckt oder im Internet zu jedem noch so abseitigen Thema finden kann, irgendwann reichlich anmaßend vor. Ich besitze zwar ein gesundes Selbstvertrauen, glaube aber trotzdem nicht, die Welt um Einsichten bereichern zu können, die nicht an anderer Stelle schon besser formuliert worden wären.

Außerdem bin ich nicht mehr jung genug, um meine Ansichten noch für unhinterfragbare Gewißheiten zu halten. Die hochbeinigen Jahre, in denen man die Wahrheit noch mit vollen Händen direkt aus dem Brunnen der Erkenntnis zu schöpfen glaubte, sind längst vorbei. Feindbilder haben sich relativiert, Schwarz und Weiß scheinen immer weniger deutlich voneinander getrennt, und das fuchtelnde Rechthaben-Wollen in allen Dingen ist zumeist einem resignierten Kopfschütteln gewichen.

Meine Versuche, der unüberschaubaren Masse an Texten und Meinungen, die in der Weiten des Internets kursieren, etwas Eigenes hinzuzufügen, sind also irgendwie im berühmten Sande verlaufen – nicht zuletzt wahrscheinlich deshalb, weil ich im Grunde ein intellektuell ziemlich fauler Mensch bin, für den Analyse und Reflexion immer nachträglich hinzukonstruierte Rationalisierungen seiner subjektiven Eindrücke und Empfindungen sind.

Nachdem ich diesen Blog ein paar Jahre lang mit unterschiedlicher Intensität geführt hatte, glaubte ich dann irgendwann, die Überflüssigkeit des ganzen Unternehms einzusehen. Was wollte ich eigentlich erreichen? Brauchte das irgend jemand? Brauchte ich es selbst? Die Antwort war eindeutig. Also Schluß damit! Am besten wäre es, den ganzen Kram zu löschen. Ich habe den Blog damals sang- und klaglos stillgelegt, das Leben konnte weitergehen, ich hatte meine Ruhe, und was ich so dachte und machte hatte niemanden zu interessieren.

Und dabei soll es im Grunde auch bleiben. Wenn ich hier nun trotzdem einen Neuanfang versuche, dann nicht, weil ich plöztlich viel Neues zu sagen hätte, sondern schlicht und einfach deshalb, weil ich Lust dazu habe, hin und wieder ein paar Bruckstücke aus meinem täglichen Leben festzuhalten und in Form von Fotos, kurzen Texten oder auch nur kleinen Gedankenschnipseln für mich selbst zu dokumentieren. Natürlich könnte ich stattdessen einfach Tagebuch führen oder ein privates Schnipselarchiv anlegen, zumal ich viel für die analogen Dinge in einer immer digitaler werden Welt übrig habe; aber so ein ganz kleines bißchen liebäugelt man ja doch mit der Hoffnung, daß andere Leute einen halbwegs interssant finden könnten und man nicht völlig in das Nichts hinein lebt, denkt und tut, in dem am Ende natürlich alle Ambitionen verpuffen.

Anders als diese schon viel zu lange Erklärung werden die meisten meiner Blog-Einträge hier eher kurz sein und in unregelmäßigen Abständen erscheinen. Es soll ja nicht in Arbeit ausarten. Ich setze mir also kein Konzept und folge keiner Agenda, bemühe mich weder um Stil noch Originalität, schreibe, was mir in den Kopf kommt, und schere mich vor allem nicht um Objektivität und Ausgewogenheit. Es wird viele – manchmal ausschließlich – Fotos geben, die ich höchstens mit ein paar erklärenden Anmerkungen garniere. Aber auch sonst dürfte alles dabei sein, was mein Leben so ausmacht, vom Gedankenbruchstück zum Reisebericht, vom Stoßseufzer zur Liebeserklärung. Einen Teil meiner alten Texte werde ich ebenfalls nach und nach hier neu veröffentlichen.

 

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