Ein neuer Anfang

Als ich mit diesen Aufzeichnugen begann, stellte ich sie mir zunächst als eine Art „Live Journal“ vor, in dem ich Ausschnitte meines täglichen Lebens festhalten wollte. Dann packte mich vorübergehend der Ehrgeiz, und ich nahm mir vor, kritisch über Bücher, Filme, Musik zu berichten, gewürzt mit der einen oder anderen Betrachtung zur Weltlage. Dieser Versuch kommt mir angesichts der Fülle gedankenvoller Texte, die man zu jedem, scheinbar noch so abseitigen Thema finden kann, irgendwann reichlich anmaßend vor. Ich besitze zwar ein gesundes Selbstvertrauen, glaube aber trotzdem nicht, die Welt um Einsichten bereichern zu können, die nicht an anderer Stelle schon besser formuliert worden wären.

Außerdem bin ich nicht mehr jung genug, um meine Ansichten noch für unhinterfragbare Gewißheiten zu halten. Die hochbeinigen Jahre, in denen man die Wahrheit noch mit vollen Händen direkt aus dem Brunnen der Erkenntnis zu schöpfen glaubte, sind längst vorbei. Feindbilder haben sich relativiert. Schwarz und Weiß scheinen immer weniger deutlich voneinander getrennt. Und das fuchtelnde Rechthaben-Wollen in allen Dingen ist zumeist einem resignierten Kopfschütteln gewichen.

Meine Versuche, den vielen Texten und Meinungen etwas substantiell Eigenes hinzuzufügen, sind also irgendwie im berühmten Sande verlaufen, nicht zuletzt wahrscheinlich deshalb, weil ich eine gute Portion Beqeumlichkeit besitze. Ich bin im Grunde ein intellektuell ziemlich fauler Mensch, für den Reflexion immer eine nachträglich hinzukonstruierte Rationalisierung seiner subjektiven Eindrücke und Empfindungen ist.

Nachdem ich diesen Blog unter dem Titel „Leben im XXI. Jahrhundert“ ein paar Jahre lang mit unterschiedlicher Intensität geführt hatte, glaubte ich plötzlich, die Überflüssigkeit des ganzen Unternehms einzusehen. Was wollte ich eigentlich erreichen? Brauchte irgendjemand mein Geschreibsel? Brauchte ich es selbst? Meine Texte kamen mir bei kritischer Betrachtung jedenfalls nichts weniger als spontan und liebenswert vor, sonderen eher prätentiös, nörgelig und gestelzt. Also Schluß damit! Am besten wäre es, den ganzen Kram zu löschen. Also habe ich den Blog stillgelegt (allerdings ohne ihn komplett zu löschen) und die Beiträge entfernt (allerdings ohne auf ihre lokale Sicherung zu verzichten). Das Leben konnte weitergehen, ich hatte meine Ruhe, und was ich so dachte und machte hatte  (abgesehen von ein wenig Geplänkel auf facebook) niemanden zu interessieren.

Dabei soll es im Grunde auch bleiben. Trotzdem veruche ich hier unter dem etwas abgewandelten Titel „Leben in Bildern“ einen Neuanfang. Nicht, weil ich plöztlich viel Neues zu sagen hätte, sondern schlicht und einfach deshalb, weil ich Lust dazu habe, hin und wieder ein paar Bruckstücke aus meinem täglichen Leben festzuhalten und in Form von Fotos, kurzen Texten, oft vielleicht nur Gedankenschnipseln für mich selbst zu dokumentieren. Natürlich könnte ich ein Tagebuch führen oder eine Art privates „Scrapbook“ anlegen, zumal ich viel für die analogen Dinge in einer immer digitaler werden Welt übrig habe. Aber so ein ganz kleines bißchen liebäugelt man ja doch mit der Hoffnung, daß andere Menschen einen interssant finden könnten und man nicht völlig in den Wind oder das endliche Nichts hinein lebt und tut.

Anders als diese schon viel zu lange Erklärung werden die meisten meiner künftigen Blog-Einträge eher kurz sein und in unregelmäßigen Abständen erscheinen. Das soll hier ja nicht in Arbeit ausarten. Ich setze mir also kein Konzept und folge keiner Agenda, bemühe mich weder um schönen Stil noch überhaup um Originalität, schreibe, was mir in den Kopf kommt, und schere mich vor allem nicht um Objektivität und Ausgewogenheit. Selbstverständlich wird es viele Fotos geben, manchmal möglicherweise sogar ausschließlich Fotos, die ich höchstens mit ein paar erklärenden Anmerkungen garniere. Aber auch sonst dürfte alles dabei sein, was mein Leben so ausmacht, vom Gedankenbruchstück zum Reisebericht, vom Stoßseufzer zur Glücksbekundung, kurz – „two shots of happy, one shot of sad“ (oder anders herum).

Ach ja, bevor ich’s vergesse: Die besten meiner alten Texte, zu denen ich nach wie vor stehen kann, werde ich im Laufe der Zeit hier neu veröffentlichen.