MMXI.XII.28

Gestern besuchten wir ein letztes Mal den Braunschweiger Weihnachtsmarkt. Das Wetter läßt ja mit seinen seit Wochen eher lauen Temperaturen und diesem fahlen, glanzlosen Licht, das die Welt von morgens bis abends in grauseidene Trübsal hüllt, kaum winterliche Gefühle aufkommen. Nun bin ich zwar einigermaßen dankbar, von den Schneemassen des letzten Winters, die man selbst bei bestem Willen und eiserner Konstitution mit Besen und Schieber kaum noch bewältigen konnte, bisher verschont geblieben zu sein; aber der seltsame Pseudo-Fühling, der sich überall breitmacht, kann mich auch nicht wirklich begeistern. Obwohl ich, sollten sich im Januar oder Februar doch noch erhebliche Kältegrade einstellen, darüber vermutlich genauso wenig entzückt sein werde. Ich konstatiere das allerdings mehr ironisch als ernsthaft klagend und höre mir selbst kopfschüttelnd beim Lamentieren zu, während die Tippfinger eilfertig auf der Tastatur des Rechners herumhämmern, um die rostigen Wörterketten, die mir beim Dahindenkeln so einfallen, für die hier eventuell mitlesende Mitwelt zu fixieren. (Als ob die gerade darauf gewartet hätte; aber man weiß ja nie!)

Die letzten paar Tage eines Jahres lasse ich eigentlich stets ziemlich ambitionslos an mir vorüberziehen. Ich betreibe ein wenig Datensicherung, lese viel, vertiefe mich in Filme und Musik, lüfte ansonsten meinen Kopf aus, lasse mich leidlich gehen, trödle im Haus herum, verschwende sinnlos Zeit und bin vor allem einmal so recht nach Herzenslust unkritisch mit mir selbst. Gestern auf dem Weihnachtsmarkt zum Beispiel. In den vergangenen 12 Monaten haben Christine und ich beinahe auf Schritt und Tritt fotografiert, zu Hause und unterwegs, im Auto, im Zug, auf dem Fahrrad oder zu Fuß. In keinem anderen Jahr zuvor hat sich eine solche Bilderfülle bei uns angesammelt, wie in diesem. “Genug ist genug” dachte ich mir erst, steckte dann aber nach kurzer Überlegung meine alte handliche Canon Powershot A 530 ein. Die “dicke Ausrüstung” blieb also aus Bequemlichkeit zu Hause liegen, und dermaßen entlastet, warf ich gleich noch alle weiteren mühsam erworbenen fotografischen Prinzipien über Bord, um endlich einmal nach der bewährten Methode “Kommen, Sehen, Hinhalten, Knipsen” verfahren zu können. So zog ich denn ganz naiv und enthemmt als “Einhandknipser mit simuliertem Verschlußgeräusch” (wie Christine es liebevoll-despektierlich nannte) durch die Stadt und nahm auf, was mir im Vorübergehen vor die Linse schwankte.

Die Ergebnisse meines Knips-Anfalls sind denn auch zum größten Teil bescheiden genug asugefallen, nicht nur wegen der technischen Beschränkungen der verwendeten Kamera, und ich werde mich hüten, irgendjemanden mit den derart entstandenen Fotos zu belästigen. Obwohl sich manche Bilder dann doch wieder durch ein gewisses spielerisch-unbekümmertes Flair auszeichnen, das durchdachteren Aufnahmen oft abgeht. Eine dieser Aufnahmen ist oben zu sehen: Christine fröhlich herumalbernd vor “Mutter Habenicht” in Braunschweig, kurz nach unserem traditionellen Bratkartoffelessen und “Kartoffelschnaps mit Gedöns”-Trinken zum Jahresende. Ich schätze, mit diesem Bild endet auch mein Fotojahr 2011 – wie es sich geziemt bescheiden und unauffällig, ganz dem Privaten Moment verflichtet. Prost, cheers, slaínte und lechaim!

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